20.05.2026 OTWorld

Gebraucht wie nie, aber belastet wie selten

Exklusive Präsentation auf OTWorld: Bundesweite Studie befragt rund 1.000 Mitarbeitende der Sanitätshaus- und Homecarebranche zur Zukunft der Patientenversorgung

Sie sind unverzichtbar und dennoch oft unsichtbar: Sanitätshäuser und Homecare-Anbieter. Beide helfen sie Menschen, die zeitweise oder dauerhaft auf eine professionelle Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln angewiesen sind, sei es nach einem Unfall oder einer Operation, aufgrund einer Behinderung oder altersbedingter Einschränkungen. Ausgerechnet diese unverzichtbaren Helfer schlagen nun Alarm: Wenn sich die aktuellen Rahmenbedingungen nicht ändern, wird die Patientenversorgung in jener Form, wie wir sie heute kennen, in ihren Augen bald Geschichte sein. Das ist der Tenor der bundesweiten HilfsmittelStudie 2026, an der rund 1.000 Mitarbeitende aus der Sanitätshaus- und Homecarebranche teilgenommen haben. Erste Ergebnisse dieser groß angelegten zukunftspsychologischen Studie, die am 25. Juni 2026 vollständig veröffentlicht wird, hat Prof. Dr. Thomas Druyen, Präsident der opta data Zukunfts-Stiftung, heute vorab und exklusiv auf der OTWorld (19. bis 22. Mai) in Leipzig vorgestellt. Als Kombination von Weltkongress und Leitmesse ist sie die weltweit größte Veranstaltung der modernen Hilfsmittelversorgung.

„Sanitätshäuser und Homecare-Anbieter sind unverzichtbare Stützen unseres Gesundheitswesens und unserer Gesellschaft. Von Politik und Öffentlichkeit werden sie aber kaum als solche wahrgenommen“, so Prof. Dr. Thomas Druyen.

Gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern – dem Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) und dem Verband Versorgungsqualität für Homecare e. V. (VVHC) – sowie mit der Unterstützung zahlreicher Sponsoren haben die gemeinnützige opta data Zukunfts-Stiftung und das Institut für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement der Sigmund Freud PrivatUniversität in Wien nun jenen Menschen, die in der Hilfsmittelbranche arbeiten, eine Stimme gegeben: Wie sehen sie die aktuelle Situation und die Zukunft der Patientenversorgung in Deutschland? Was muss sich ändern, damit Menschen auch in Zukunft bestmöglich versorgt werden können?

Steigender Versorgungsbedarf, knappere Ressourcen

Der Handlungsbedarf ist angesichts der zahlreichen Herausforderungen, vor denen die Branche und die Gesellschaft gemeinsam stehen, gewaltig. Denn eine stetig alternde Bevölkerung, die steigende Zahl multimorbider Patienten sowie eine fortschreitende Ambulantisierung der Gesundheitsversorgung fordern ein konsequentes Umdenken und entschiedenes Handeln.

So erwarten 89 Prozent der Befragten, dass der Versorgungsbedarf in den nächsten zehn Jahren stärker steigen wird als bisher. „Was aus unternehmerischer Sicht erst einmal gut klingt, trifft jedoch schnell auf die harte Realität“, erklärt Prof. Dr. Druyen. Da ist zum Beispiel der Fachkräftemangel: 81 Prozent der Studienteilnehmer sind überzeugt, dass er die zukünftige Hilfsmittelversorgung deutlich beeinträchtigen wird. Wenn die Zahl helfender Hände in Zukunft sinkt, die der zu versorgenden Menschen aber steigt, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Mehr Kostendruck, mehr zeitraubende Bürokratie

Vor allem aber spielen – wie in allen Bereichen des Gesundheitswesens – Zeit und Geld eine entscheidende Rolle: 84 Prozent der Befragten befürchten, dass sich die Patientenversorgung durch den steigenden Kostendruck und überbordende, zeitraubende Bürokratie verschlechtern wird. Wer seine Produkte und Leistungen als Hilfsmittelanbieter heute gegenüber mehr als 90 gesetzlichen Krankenkassen abrechnet, erledigt dies auf Grundlage von Verträgen, von denen er meist hunderte verwalten muss.

Auch aus diesem Grund fordern Branchenvertreter eine nachhaltige Strukturreform des Gesundheitssystems. Dass aber das am 29. April vom Bundeskabinett verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) Kosteneinsparungen unter anderem durch einen pauschalen Drei-Prozent-Abschlag auf bereits vereinbarte Vertragspreise erzielen soll, stößt in der Branche auf großes Unverständnis. Denn auch das ist ein deutliches Ergebnis der HilfsmittelStudie 2026: 76 Prozent sehen die Existenz der Betriebe bereits durch die aktuelle Vergütungsstruktur langfristig gefährdet.

Gemeinsamer Aufbruch Richtung Zukunft

Und dennoch: Die Chancen sind da, zum Beispiel durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, und zahlreiche Ideen für eine erfolgreiche Zukunft werden von den Teilnehmenden der Studie selbst entwickelt. „Die Hilfsmittelbranche hat allen Grund, selbstbewusst aufzutreten – nicht mehr nur als stiller Leistungsträger, sondern als deutlich sichtbarer Versorgungsakteur in der Care-Navigation der Zukunft. Wer nur reagiert, wird vom System erzogen. Wer die Zukunft antizipiert, beginnt wieder zu gestalten“, so Prof. Dr. Druyen. Sein Vortrag auf der OTWorld versteht sich daher nicht nur als erster Einblick in die Ergebnisse der HilfsmittelStudie 2026, sondern als zukunftspsychologisches Signal zum gemeinsamen Aufbruch in eine Zukunft, die für beides steht: eine bestmögliche, wohnortnahe Versorgung der Menschen in Deutschland und wirtschaftlich erfolgreiche Sanitätshäuser und Homecare-Anbieter.

Wichtige Impulse dazu wird Prof. Dr. Druyen am 21. Mai auch mit seinem zweiten Vortrag auf der OTWorld geben: „Wie sieht das Mindset der Menschen in der Hilfsmittelbranche in fünf Jahren aus? Vom Durchhalten zur Care-Navigation: Warum Zukunftsfähigkeit im Kopf beginnt.“ (09:30 – 10:15 Uhr, OTWorld.eSummit, Halle 3, freier Eintritt mit dem OTWorld-Messe-Ticket)

Prof. Dr. Thomas Druyen, Foto: Sebastian Drüen
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