Login
Login

Bitte füllen Sie die Felder aus. Angaben mit einem * werden benötigt.

an mich erinnern
Mein Profil
Kontakt Presse Kongress-Login
Save the date: #otworld20
12. - 15. Mai 2020

News

News Übersicht 25.10.19
OTWorld 2020: Leuchttürme interdisziplinärer Zusammenarbeit

OTWorld 2020: Leuchttürme interdisziplinärer Zusammenarbeit

Medizin und Orthopädie-Technik Hand in Hand: Die neue Doppelspitze der OTWorld 2020 spiegelt den interdisziplinären und interprofessionellen Anspruch des Weltkongresses wider. Die Kongresspräsidenten Prof. Dr. Christoph Josten, geschäftsführender Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum Leipzig, und Diplom-Orthopädietechniker-Meister Michael Schäfer, Geschäftsführer der Pohlig GmbH und Vorstand des Bundesinnungsverbands für Orthopädie-Technik (BIV-OT), setzen auf die Kraft des guten Beispiels und stellen unter anderem interdisziplinäre Kooperationen mit weltweitem Leuchtturmcharakter vor.

Versorgung von Kindern: Internationale Standards im Blick

Interview mit Professor Dr. med. Christoph Josten, Kongresspräsident der OTWorld 2020, über seine programmatischen Schwerpunkte.

Erstmals hat 2020 neben einem Mediziner auch ein Orthopädie-Techniker die Kongresspräsidentschaft der OTWorld inne. Wie wird die neue Doppelspitze der OTWorld das Programm der Veranstaltung prägen?
Prof. Josten: Die interprofessionelle Kongresspräsidentschaft ist letztlich ein zwangsläufiges Ergebnis der bisherigen Entwicklung. Die OTWorld stellt primär die orthopädietechnische Versorgung, die Prothetik und Orthetik in den Mittelpunkt. Dieser Bereich ist inzwischen so breit und vielfältig aufgestellt und auch aufgrund der demografischen Trends von so großer ökonomischer Bedeutung, dass der Kongress nur von einer Doppelspitze aus Medizin und Orthopädie-Technik optimal geführt werden kann. Schließlich ist eine bessere Lebensqualität das Ziel jeder orthopädischen Therapie – und dieses Ziel ist nur durch Teamwork auf Augenhöhe erreichbar. Das wachsende Bedürfnis nach gegenseitigem Austausch beweist nicht zuletzt der Erfolg der OTWorld und des Weltkongresses, der traditionell einen interdisziplinären und -professionellen Ansatz pflegt.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Kongresspräsidentschaft?
Prof. Josten: Der Bereich der Kinderversorgung wird 2020 in den Fokus gerückt. So betonen wir zum Beispiel die medizinischen Besonderheiten der Therapie bei Kindern, befassen uns unter anderem mit der Orthesentechnik und Spastiken. Weitere Schwerpunkte sind Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI). Die Entwicklungen im 3D-Druck werden beleuchtet, genauso widmen wir uns der Telemedizin in der Rehabilitation sowie der individualisierten Medizin.

Worauf legen Sie beim Fokusthema Kinderorthopädie bzw. Kinderversorgung im Kongressprogramm besonderen Wert?
Prof. Josten: Wir werden im Bereich Kinderorthopädie nichts auslassen! Die Kongressteilnehmer erhalten einen umfassenden Überblick, was in der Kinderorthopädie und Kinderunfallchirurgie bzw. Kindertraumatologie derzeit möglich ist. Wir zeigen die aktuellen Diskussionen auf, stellen den State of the art mit einer internationalen Perspektive dar. So wird die prothetische Versorgung des wachsenden Kindes im Kongress besonders intensiv behandelt. Eine große Rolle im Programm spielen ebenfalls die orthetische Versorgung bei Behinderungen sowie die Behandlungsmöglichkeiten des wachsenden Skeletts bzw. von Wachstumsfehlverhalten, Stichwort Skoliose.

Wie werden Sie als Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig den studentischen Nachwuchs einbinden?
Prof. Josten: Hier sind die Planungen noch nicht abgeschlossen. Es wird eventuell eine Vorlesung auf freiwilliger Basis geben sowie Führungen für Studierende. Denn angehende Mediziner sollen schon frühzeitig realisieren, dass die Orthopädie-Technik ein wesentlicher Bestandteil bei der Versorgung der Patienten ist. Außerdem wird die Jugendakademie TO wieder fester Bestandteil des OTWorld-Programms sein. Wir möchten hier einen Tag der Studierenden einbringen unter dem Titel „Medizin im Zeitalter 4.0“, mit speziellem Bezug auf die Endoprothetik, also Hüft- und Kniegelenkersatz.

Wird die OTWorld erneut die konservative Orthopädie stärken bzw. betonen?
Prof. Josten: Ganz klar. Der Sinn des Kongresses besteht ja auch darin, aus ärztlicher Sicht zu zeigen, wie weit die Möglichkeiten der Orthopädie-Technik reichen und dass die Operation häufig eben nicht die einzige Therapiealternative darstellt. Zahlreiche Diagnosen lassen sich konservativ behandeln. Damit hat die Hilfsmittelversorgung eine große gesundheitsökonomische Dimension. Deshalb will ich noch mehr Ärzte sowie Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften für den Kongress gewinnen. Denn die Orthopädie-Techniker sind für uns Ärzte wichtige Partner – dies betrifft im Übrigen auch die medizinische Versorgung nach vielen Operationen. Der interdisziplinäre, interprofessionelle und zugleich internationale Blickwinkel ist ein Alleinstellungsmerkmal des Weltkongresses der OTWorld.

Hinter die Kulissen erfolgreicher Projekte schauen

Im Interview erläutert Diplom-Orthopädietechniker-Meister Michael Schäfer, Kongresspräsident der OTWorld 2020, welche neuen Formate im Kongressprogramm vorgesehen sind.

Warum ist die neue Doppelspitze aus Medizin und Orthopädie-Technik für die OTWorld 2020 die richtige Entscheidung?
Michael Schäfer: In unserem Berufszweig ist heute Interdisziplinarität oder gar Transdisziplinarität gefordert. Die Versorgungen werden sowohl medizinisch als auch hilfsmitteltechnisch zunehmend komplexer. Das erfordert ein Zusammenwachsen und gegenseitiges Verständnis der Disziplinen mehr denn je. Denn die stellenweise hochkomplexen Versorgungsanforderungen sind nur dann bestmöglich realisierbar, wenn jeder in den Berufszweig des jeweils anderen Einblick hat und den anderen wiederum an seinem Wissen teilhaben lässt. Dieser gegenseitige Austausch ist extrem wichtig für die Versorgung am Patienten. Dem geben Prof. Josten und ich auf der OTWorld 2020 Ausdruck.

Werden Sie auf der OTWorld 2020 neue Formate einführen?
Michael Schäfer: Ja, wir werden interdisziplinäre Leuchttürme weltweit vorstellen. Dies sind gut funktionierende Versorgungsnetzwerke, bei denen Mediziner, Therapeuten und Techniker in einem Boot sitzen, gemeinsam entscheiden und bei der Versorgung kooperieren. Wir ermöglichen einen Blick hinter die Kulissen und wollen damit zeigen, was den Erfolg dieser Leuchttürme ausmacht. Für die Premiere 2020 verschicken wir Einladungen an ausgesuchte und besprochene Projekte. In den Folgeveranstaltungen sollen sich die Netzwerker dann für die Teilnahme am Leuchtturm-Symposium bewerben.

Welche Leuchttürme werden auf der kommenden OTWorld vorgestellt?
Michael Schäfer: Zum Beispiel kommen die Spezialisten einer Armprothetikgruppe aus den USA, ein Klumpfußteam aus Nordafrika, ein Skolioseteam aus Europa zum Zuge. Dieses neue Format zeigt exemplarisch, in welche Richtung sich die OTWorld weiterentwickelt. Der Einblick in erfolgreiche Kooperationen und Best Practices zum Wohle der uns anvertrauten Patienten soll den Besucher maximal informieren und anregen.

Welche Rolle werden die Digitalisierung und die dadurch bedingten Veränderungen der Prozesse und Arbeitsweisen auf der kommenden OTWorld spielen?
Michael Schäfer: Die Digitalisierung und deren prozessuale Veränderungen werden uns auch in den nächsten Jahrzehnten kontinuierlich begleiten. Während wir auf der OTWorld 2014 erste zarte Knospen sahen, wurde 2016 mit handwerklich-fachlichen Grundlagenvorträgen in die Thematik eingeführt. 2018 präsentierten sich etliche Produkte und Workflows sowie erste erfolgreiche Pilotprojekte. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die Besucher die Digitalisierung nicht nur als 3D-Druck und andere moderne Produktionsmethoden aufnehmen, sondern als einen Gesamtprozess, der unseren zukünftigen Arbeitsalltag und dessen Prozesse unterstützen muss. In den kommenden Veranstaltungen geht es vor allem darum zu verifizieren, welche digitalen Methoden für unser Fach sinnvoll sind – und vor allem den erhofften Nutzen für unseren Arbeitsalltag und unsere Kunden bringen. Wir haben 2020 insgesamt 30 Symposien im Kongressprogramm sowie vier Keynotes, in die digitales Know-how einfließt. In drei Schwerpunktsymposien werden wir die Digitalisierung intensiv beackern, ebenso in freien Vorträgen. Sicherlich wird die steigende Zahl technologischer- und Handels-Plattformen zur Sprache kommen, die unseren Betrieben die Werkzeuge für digitale Fertigung auf Abruf zur Verfügung stellen. Nicht zuletzt müssen wir uns auch mit der Bewältigung zunehmend größer werdender Datenmengen aus Gesetzen, Verträgen, E-Health, digitalen Gesundheitskarten und -akten in unserer Arbeitsorganisation befassen. Hier ist leider noch viel zu wenig auf digitalen Medien verfügbar. Von mehr Datenfluss zwischen den Disziplinen profitiert auch die Orthopädie-Technik. Transparenz, Qualität und Geschwindigkeit der Versorgung werden dadurch erhöht.

Gibt es noch weitere Neuheiten im Programm?
Michael Schäfer: Die Spezialistenworkshops werden wiederbelebt. Unter dem Titel „Materials 2025“ wird es an zwei Tagen jeweils anderthalbstündige Veranstaltungen mit gesonderter Anmeldung geben. Die Teilnehmer erhalten für den Besuch dieses Kurses ein gesondertes Zertifikat. Die Workshops befassen sich mit innovativen modernen Werkstoffen wie Faserverbundwerkstoffen, Prepregs (preimpragnated fibers – vorimprägnierte Fasern), Silikontechnologien und 3D-Druck. Übersichtsreferate und spezifische Produktionsreferate vermitteln geballtes Wissen. Ein spannendes Format, das mit Sicherheit gut besucht wird.

Wie bringen Sie Ihre beruflichen Netzwerke in die Programmgestaltung ein?
Michael Schäfer: Auch auf der OT World 2020 konnten neue Fachgesellschaften „verpartnert“ werden. Zum Beispiel konnten zwischen dem BIV-OT und der Deutschen medizinischen Gesellschaft für Paraplegiologie (DMGP) wechselseitige bilaterale Symposien auf den jeweiligen Veranstaltungen initiiert werden. Gleiches gelingt mit dem Verein zur Qualitätssicherung in der Armprothetik bereits zum dritten Mal erfolgreich. Die Themen Interdisziplinarität und Qualität in der Hilfsmittelversorgung bilden tatsächlich einen wesentlichen Hintergrund meiner Mitarbeit als Kongresspräsident. So konnten wir gemeinsam mit dem Programmausschuss weitere neue Fachgesellschaften einbinden, wie zum Beispiel die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Handtherapie (DAHTH). Neben der Therapie werden zunehmend auch die ärztlichen Gesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft und die Deutsche Assoziation für Fuß- und Sprunggelenk (DAF) in das OT-World-Konzept eingebunden. Vom Kollegen Merkur Alimusaj (Leitung Technische Orthopädie, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Heidelberg) und Professor Dr. Frank Braatz (Professur für medizinische Orthobionik (PFH), Leiter Schwerpunkt Orthobionik an der Universitätsmedizin Göttingen) wurde für das nächste Jahr erstmals ein Symposium zur Oberschenkelschafttechnik mit der American Academy of Orthotists an Prosthetists – der US-amerikanischen Berufsorganisation unseres Standes – auf der OTWorld organisiert. Dabei sollen aktuelle Trends und Neuentwicklungen in der Prothesenschafttechnik, also unserem ureigensten Handwerk, bilateral diskutiert und kritisch beleuchtet werden. Dieses Symposium soll dann ausgehend von der OTWorld in jährlichem Wechsel zur Academy-Veranstaltung in die USA wandern und so möglichst viele Kollegen aus Europa und Nordamerika erreichen. Alles in allem eine beachtliche Anzahl spannender neuer Formate, Kooperationen und Inputs für die Besucher.

Wie wird die OTWorld die konservative Therapie im Zusammenspiel von Orthopädie und Orthopädie-Technik stärken?
Michael Schäfer: Die konservative Orthopädie muss in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung wieder einen höheren Stellenwert und vor allem eine höhere Präsenz erreichen. Mit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung DGUV integrieren wir im kommenden Jahr den Spitzenverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften und der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand in das OTWorld-Programm. Mit Themen wie Begutachtungswesen, Rehabilitation und Traumatologie haben wir hier Schnittstellen zur Unterstützung der konservativen Behandlung. Auch die chirurgisch tätigen Disziplinen möchten wir an die konservative Orthopädie heranführen und über Schnittstellen zu unserer Arbeit diskutieren. Zugleich müssen wir uns auf der OTWorld 2020 mit den neuartigen Methoden funktionsverbessernder chirurgischer Eingriffe auseinandersetzen. Der selektive Nerventransfer zur Behandlung von Phantomschmerzen und Verbesserung der prothetischen Ansteuerung, osseointegrative Implantate, die direkte Schnittstellen zu implantierten Elektroden bilden, oder sensible Reinnervationen (Targeted Sensory Reinnervation), die Körperwahrnehmungen und Gefühl an deren Anwender vermittelt – alles in allem sehr spannende Zukunftsthemen, auf die wir uns freuen dürfen.