Save the date: #otworld20
12. - 15. Mai 2020

News

News Übersicht 15.03.18
Meine OTWorld: Vielfältig, wie das Handwerk selbst

Meine OTWorld: Vielfältig, wie das Handwerk selbst

Marius Hentze verrät uns, was seine Arbeit ausmacht und warum die OTWorld für ihn ein wichtiger Treffpunkt ist.

Nach der Ausbildung zum Screen-Designer landete er durch einen Freund in der Orthopädieschuhtechnik und machte hier schließlich seinen Meister. Was ihn am Job reizt? Hier wird Tradition mit mordernster Technik verbunden.

Was ist für dich das Besondere als Orthopädieschuhmacher zu arbeiten?

Der Reiz an der Orthopädieschuhtechnik ist vor allem, dass dieser Beruf so unglaublich breit gefächert ist. Wir reden hier von althandwerklichen Vorgängen, wie Leder über Holz zu ziehen oder eine Pechnaht zu machen bis hin zum Arbeiten mit 3D-Leistendruckern, Fräsen und CAD-Programmen. Doch trotz aller technischen Neuerungen komme ich – wenn ich jetzt nur an den reinen Schuh denke – nicht umhin, ihn am Ende mit alten Handwerkstechniken fertigzustellen. Darüber hinaus kann ich zum Patienten fahren, ich kann in der Werkstatt oder in einem Ganglabor arbeiten, Befunderhebungen machen und auch mit verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten. Die Vielfalt ist großartig.

Was würdest du bei deiner Arbeit als herausfordernd bezeichnen?

Eigentlich jeder Handwerker kalkuliert seine Leistungen und wird danach bezahlt, wir jedoch unterliegen einem Kassenvertragssystem. Ich bekomme für ein und dieselbe Leistung unterschiedliche Preise, die sich von Krankenkasse zu Krankenkasse oder zwischen den Bundesländern erheblich unterscheiden. Wenn ich zum Beispiel eine Sohlenversteifung in einen Schuh einarbeite, dann wird mir vorgeschrieben, dass diese von der Ferse bis zum Zeh steif sein muss. Wenn ich aber als versorgender Orthopädietechniker feststelle, dass sich das Gangbild und die Abrolleigenschaften des Schuhes verbessern, wenn die Versteifung nur bis zum Ballenbereich oder restflexibel gearbeitet wird, dann bewege ich mich eigentlich schon in einer Grauzone. Denn: In der Leistungsbeschreibung des Kassenvertrages ist verankert, dass die Versteifung vom Absatz bis zur Zehenspitze ausgeführt sein muss. Das ist nur ein Beispiel, aber genau so etwas nimmt mir die Individualität an der Arbeit als Handwerker und Fachmann, der für die Versorgung des Patienten verantwortlich ist.

Wie ist es abseits von der Arbeit, achtest du da auch darauf wie Menschen gehen oder was sie für Schuhe tragen?

[lacht] Ja. Allerdings bin ich heute selbst das beste Beispiel dafür, dass Schuster die schlechtesten Schuhe tragen [Anm. Redaktion: Zum Interview trug Marius „Chucks“].

Es ist schon so, dass man viel auf Schuhe achtet und auf die Füße oder die Körperhaltung schaut – überlegt, wie derjenige geht oder was er haben könnte. Das ist eben eine Berufskrankheit. Auch im Alltag kommt man aus der Nummer nicht raus. Ich meine, das Hauptproblem sind oft gar nicht die Schuhe. Das Hauptproblem sind eher zu harte Böden, unser Lebensstil, das Körpergewicht, dass wir zu viel sitzen und anstatt zu laufen mit dem Auto fahren. Ich sag mal so, der Fuß wird es einem nicht übel nehmen, wenn ich bei einer Abendveranstaltung mal einen schicken Schuh anziehe. Trotzdem sollte man auf sich und seine Füße achten. Ich behandle hier auch Leute, die haben einem Knicksenkfuß, aber dennoch keine Probleme. Dann gibt es aber wiederum Menschen, die nur einen sehr leichten Beckenschiefstand und eine Beinlängendifferenz haben, was massive Probleme verursacht. Hier wird dann auch ein Hilfsmittel benötigt.

Hast du eine Empfehlung für das beste Schuhwerk im Alltag?

Momentan empfehle ich sehr gute Laufschuhe auch für den Alltag. Diese Schuhe sind von der Sportindustrie sehr fußgerecht konzipiert und mit vielen Einbauelementen ausgestattet, die wir in der Einlagen- und Maßschuhversorgung auch einsetzen – wie zum Beispiel Stützelemente, Hinterkappen und Abrollelemente. Das sind Dinge, die man im Normalkonfektionsschuhbereich kaum oder gar nicht mehr findet. Für den passenden Schuh sollte man sich beim Sporthändler um die Ecke beraten lassen.

Was erwartest du von einer Veranstaltung wie der OTWorld?

Die OTWorld ist ebenso breit gefächert, wie das Berufsbild des Orthopädieschuhmachers. Ich erhoffe mir Branchenneuheiten zu sehen, die Impulse für die eigene Arbeit liefern oder für das, was man im eigenen Betrieb noch etablieren könnte. Genauso freue ich mich aber auch darauf bekannte Gesichter – egal ob aus Meisterschulzeiten, aus alten Firmen, bei denen ich gearbeitet habe oder aus der Industrie – zu treffen.

Ich habe von früher einen Kollegen, der jetzt in Tokio lebt und arbeitet. Durch die sozialen Medien bekomme ich ein bisschen mit, was er so macht. Ich bin mir sicher, dass er zur OTWorld kommt, weil es für ihn natürlich auch wichtig ist, Sachen hier mitzunehmen und nach Japan zu transportieren. Ich denk mal, dass wird dann wieder so sein: „Ich bin in der Nähe, lass mal ein Bier trinken.“ Man tauscht sich dann über fachliche Dinge aus, weil vieles in Japan ganz anders praktiziert wird. Zum Beispiel hat er in der Meisterschule direkt damit angefangen Leisten aus Kunstharz zu gießen, da er in Japan nicht an Holzleisten rankäme, wenn er sie nicht selbst fräsen würde.

Meine OTWorld: Ein ganz persönliche Erlebnis

Unter dem Motto „Meine OTWorld“ kommen echte Repräsentanten ihres Fachs zu Wort. In Anzeigen und Videos bekennen sie sich eindeutig zu ihrem wichtigsten Branchenevent und nennen überzeugende Gründe zur OTWorld in Leipzig dabei zu sein.